„Diätetika“  - Rurberg 2003

 

von Manuela Riechert, Klasse U18, PTL Castrop-Rauxel, veröffentlicht in: Die PTA in der Apotheke Heft 10, 2003

 

Was verbinden Sie mit dem Wort Klassenfahrt? – Ganz einfach : Jede Menge Spass, gute Laune, Parties, viele nette Leute ... und das eine ganze Woche lang. Hört sich verdammt gut an. Aber... wir machen eine Studienfahrt. Das bedeutet: botanisch wandern, Kräuter sammeln, Stadtrundführungen ... und kochen. O.K, es gibt Schlimmeres als kochen : gesund kochen. Doch auch das lässt sich noch steigern : diätetisch- gesund kochen! Das Übel ist perfekt. Aber tapfer ergeben wir uns unserem Schicksal und nehmen Wochen vor unserer Klass... nein, Studienfahrt die vom Lehrerteam vorbereiteten Rezepte entgegen. Da gibt es Diäten für Rheumakranke, Diabetiker, Patienten mit zu hohen Cholesterinwerten, Schwangere... .


Diese werden verteilt und wir haben Glück, es ist ein Apfelkuchen dabei, das bedeutet, es gibt etwas Essbares! Doch nachdem wir die verschiedenen Rezepte durchgelesen haben, sind wir schon nicht mehr ganz so skeptisch, immerhin sehen die Bilder gar nicht so schlecht aus.


Dann geht’s endlich los. Am Morgen der Abfahrt haben wir die Studienfahrt vergessen, wir denken nur noch an die Klassenfahrt. – Das sich beides prima verbinden lässt, wird uns nur kurze Zeit später klar. Die ersten drei Tage sind einfach super, vormittags botanisch wandern und abends Party – es klappt. Am Mittwoch machen wir auf dem Rückweg von Aachen an einem Supermarkt halt. Schon das Einkaufen ist lustig. Natürlich gibt es nicht alles genau so, wie es auf unseren Listen steht, doch frei nach dem Motto: „Passt schon!“ beenden wir den Einkauf auch irgendwann zu unserer Zufriedenheit, einige Zutaten lediglich ausgetauscht durch – sagen wir: Generika. Nun noch einmal schlafen und dann ist es so weit – und wir verschlafen. Um zwei muss das Buffet fertig sein. Dann mal los, packma’s an. (als wir uns das sagen, ist es bereits zehn und wir sind grade erst aufgestanden).


Wir teilen uns auf, so dass jeder etwas Sinnvolles zu tun hat und wir uns nicht unnötig im Weg stehen. So machen sich zwei daran, das Plakat zu malen mit dessen Hilfe wir „unsere“ Krankheit in Form eines Vortrages vorstellen sollen. Ein anderes Gruppenmitglied sucht in der Zeit einige Zutaten aus den anderen Häusern zusammen, ebenso noch einige Küchengeräte. Doch keiner hat ein Backblech übrig – nicht das wir kein eigenes hätten, doch die Vormieter schienen kein Spüli dabei gehabt zu haben. Aber da wir noch soviel Zeit haben, weichen wir es ein und kratzen anschließend daran rum bis wir uns darin spiegeln können. Als wir damit fertig sind, besucht uns ein Bewohner des Nachbarhauses und bringt uns etwas mit : ein Backblech. Na toll! Die Vorbereitungen für den Apfelkuchen laufen um elf Uhr auf Hochtouren, die Apfelscheibchen werden in der Schüssel langsam braun als wir weiterlesen: „Den Zitronensaft sofort über die Apfelscheiben geben, damit diese nicht braun werden.“ – Gut... das dann also beim nächsten Mal. Eigentlich wissen wir es ja aus dem Galenikunterricht zu gut: erst ganz lesen, dann mit der Rezeptur beginnen! Aber wie war noch gleich unser Motto? – „Passt schon!“


Nach dem der Kuchen im Ofen backt, machen wir uns an das Braten der Gemüsebratlinge. Bratlinge? - Wohl doch eher Krümmelinge! Doch nach dem eine unserer besten Köchinnen das Rezept ein kleines bisschen verändert, werden es doch noch Bratlinge. Die Gemüsereispfanne macht zur Abwechslung mal keine Probleme und so kommen wir pünktlich am Buffet an.


Nach dem alles aufgebaut ist, folgt eine kurze Ansprache und dann wird probiert. Einiges schmeckt in der Tat richtig gut, anderes – na ja, wie soll ich sagen? – zu gesund. Nach dem Essen folgen die Vorträge. 


Nun das wichtigste: Die einzelnen Gerichte werden prämiert. Jury sind alle Beteiligten. Jetzt wird’s spannend. Den zweiten Platz belegten die ..... Gemüsebratlinge. Hey, das waren ja unsere. Nicht schlecht. Und es wird noch besser, der Apfelkuchen gewinnt mit Abstand. Wir können doch kochen. Wir haben es ja gesagt: „Passt schon!“
Jetzt können wir ruhigen Gewissens sagen, dass gesund kochen doch nicht so schlimm ist. Im Gegenteil, es macht sogar Spaß. Und bestimmt werden wir das ein oder andere Gericht zuhause einmal nachkochen.  

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